„Corona zwingt zur Digitalisierung“

  • von Gerhard Pramhas
  • am 5. Mai 2021

Beitragsbild-Corona-Digitalisierung

Vielleicht haben Sie am 7.12.2020 auch in der Tageszeitung „Kurier“ den Artikel mit dieser Überschrift gelesen. Vielleicht haben Sie aber auch einen der zahlreichen anderen Artikel gelesen, die die Corona-Krise für den enormen Sprung in der Digitalisierung verantwortlich machen. Aber musste tatsächlich erst eine weltweite Pandemie entstehen, um einen derartigen Fortschritt innerhalb der Unternehmen zu ermöglichen? Oder war dieser Fortschritt sowieso immer da?

Allzu oft hört man in der öffentlichen Diskussion, dass die österreichischen Unternehmen in Hinblick auf die Digitalisierung nicht fit genug sind. Zuerst möchte ich kurz anreißen, welche Geschäftsprozesse überhaupt digitalisierbar sind. Ich erzähle Ihnen dafür ein Beispiel, welches die Rolle der Corona-Pandemie für die Digitalisierung in Unternehmen meiner Meinung nach gut darstellt.

Spezialprozesse für Spezialsoftware

Ich arbeite gerade an einem Projekt, bei dem ein Industriebetrieb eine Spezialsoftware für die Programmierung einer Fertigungsmaschine benötigt. Selbstverständlich wird diese Software Tätigkeiten, die derzeit der Mensch in Form von manueller Programmierarbeit verrichtet, teilweise automatisieren, also digitalisieren. Aber schon der Bestellprozess dieser Software ist unmöglich zu digitalisieren. Es ist schlichtweg nicht möglich, die Software auf einem Web-Portal zu bestellen und herunterzuladen. Allein die Aufgabe, die gewünschte Software zu beschreiben würde jeden derzeit am Markt befindlichen Shop vor eine unlösbare Aufgabe stellen. Ist dann die Software geliefert, muss installiert und danach geschult werden – auch das ist unabdingbar. Onlineschulung ist eine gute Sache, wenn man, so wie derzeit, kaum andere Möglichkeiten hat. Aber sobald das Reisen wieder halbwegs normal ablaufen kann, ist der persönliche Kontakt meiner Erfahrung nach nicht zu toppen.

Resümee: Teilprozesse sind automatisierbar – Digitalisierung nichts Neues

Teilweise ist es richtig, denn die Pandemie hat tatsächlich bei vielen Unternehmen Prozesse teilautomatisiert – also digitalisiert. Aber generell ist das überhaupt nichts Neues, denn die Industrie macht diese Verbesserungen stetig seit mehr als 150 Jahren. Deshalb ist der Hype um die Digitalisierung für mich nicht nachvollziehbar. Lassen wir die Unternehmen weiterhin ihre Produkte und Prozesse inkrementell verbessern, vollständig oder teilweise automatisieren. Dann kommt auch die Digitalisierung ganz von allein.

Wie geht es Ihnen bei der „Digitalisierung“? Schreiben Sie mir unter gerhard@pramhas.eu oder benutzen Sie eine der anderen Kontaktmöglichkeiten.

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