Elektromobilität – die Zukunft (Teil 2)

  • von Gerhard Pramhas
  • am 23. Februar 2020

Auch in diesem Beitrag steht wieder die Elektromobilität im Zentrum. Und kurz vorweg: Da wir wirtschaftliche Daten aus Deutschland gerne mit dem Faktor 1/10 auf Österreich übertragen, heißt das, wie ich glaube, nichts Gutes.

Im vorigen Blogbeitrag (Link) habe ich die Frage, wie es mit der E-Mobilität wohl weitergeht aufgegriffen und in Bezug zu einem Leitartikel der Zeitschrift ReadING untersucht. Essenziell bei der Frage nach der Elektromobilität ist auch die Frage nach dem Ausbau der Strom-Intrastruktur.

Faktor 1/10 – wie viel Bedarf es wirklich?

Der Autor, DI Dr. Gagstädter, rechnet vor, dass in Deutschland allein der benötigte Ladestrom den Bau von 23 Kohlekraftwerken oder 35.000 Windkrafträder erfordern würde. Mit dem 1/10 Faktor im Hinterkopf müssen es theoretisch schon mal 3.500 Windkrafträder sein, die den Bedarf in Österreich stemmen. Hinzu kommt: Nicht überall wo Windräder stehen weht ausreichend Wind und schon gar nicht in der Nacht, wenn der höchste Bedarf an Ladestrom herrscht. Demnach braucht es deutlich mehr Windräder, aber dafür ist schon der Platz ein Problem, weil die Energie natürlich auch zu den Autos transportiert werden muss. Wenn Sie sich in Erinnerung rufen, wie mühsam es teilweise ist, in Österreich eine Hochspannungsleitung zu bauen, können Sie sich sicherlich die Schwierigkeiten vorstellen. Damit ich nicht falsch verstanden werde: auch ich möchte nicht unter einer 380 kV Leitung leben. Wenn sich dagegen Widerstand formiert, so verstehe ich das sehr gut. Darüber hinaus ist auch nicht gewährleistet, ob unsere heutigen Stromnetze einen derart hohen Spitzenbedarf aushalten. Das ist noch Ziel von Untersuchungen.

Denkfehler in der Politik

Der in der Politik vorherrschende Denkfehler bezieht sich meiner Meinung nach auf den äußerst günstigen mechanischen Wirkungsgrad von Elektromotoren vom Akku auf die Straße. Ab dem Moment, in dem die elektrische Energie chemisch im Akku gespeichert ist, ist das E-Auto unschlagbar. Aber wie sieht die Gesamtenergiebilanz aus? Wie sieht die Infrastruktur aus, Stichwort Stromleitungen vom Kraftwerk bis zum Auto? Nicht jeder von uns hat eine Photovoltaik Anlage auf seinem Dach. Und außerdem steht das Auto bei Sonnenschein üblicherweise nicht zu Hause.

Wasserstoff – eine Alternative?

Der Autor des ReadING skizziert aber Alternativen – Wasserstoff ist eine davon. Vielleicht wäre die Politik besser beraten, hier zu fördern, statt in die reine E-Mobilität. Und vor allem, vergessen wir nicht die Menschen, die in der heutigen Automobilindustrie vom Hersteller bis zur kleinen unabhängigen Werkstätte arbeiten. Alternative Jobs werden wesentlich langsamer entstehen als diese Jobs wegfallen. Sind wir immer noch bereit, E-Autos zu fahren, wenn gleichzeitig hunderttausende Arbeitsplätze wegfallen? Sind Sie und ich auch betroffen?

Wie sehen Sie die Situation? Haben Sie ein E-Auto? Hatten Sie in Ihrer Wohngegend schon Stromausfälle, weil zu viele E-Autos gleichzeitig am Netz hingen? Schreiben Sie mir gerne an gerhard@pramhas.eu oder benutzen Sie das Kontaktformular.

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