Teil 2: Mobilität bedeutet Standortveränderung – Sind wir mobiler als früher?

  • von Gerhard Pramhas
  • am 20. Mai 2019

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Warum müssen wir unseren Aufenthaltsort, wie im letzten Blogbeitrag festgestellt, im Durchschnitt vier Mal pro Tag ändern? Wer oder welcher Umstand zwingt uns zur Mobilität? Dazu ist ein Blick zurück in die Geschichte angesagt. Wie lebten unsere Vorfahren? Wie war ihre Erwerbstätigkeit organisiert? Machen wir eine kleine Zeitreise und wechseln wir in die Zeit, bevor der motorisierte Individualverkehr, kurz MIV, seinen Siegeszug angetreten hat.

Mobilität zu Fuß

Im Zeitalter der ersten Industrialisierung entstanden rund um die Kohle- und Erzlagerstätten die ersten „Industriegebiete“. Abgesehen von der damit beginnenden Freisetzung von Unmengen an CO2 ist der soziale Aspekt sehr interessant. Es entstanden Arbeiterviertel nahe an den Produktionsstätten. Warum? Ganz einfach: der tägliche Weg zur Arbeit – nichts anderes als Mobilität –  musste großteils zu Fuß zurückgelegt werden. Wenn wir weiters annehmen, dass sich der Mensch mit rund 5 km/h fortbewegt, ergibt sich eine sinnvolle Entfernung Wohnung – Arbeitsplatz von rund 2,5 – 5 km, also einen Fußmarsch von rund ½ – 1 Stunde. Und genau so wurden die Arbeitersiedlungen auch angelegt. Kommt Ihnen diese Zeitspanne bekannt vor? Dazu später.

Eisenbahn war kein Massenverkehrsmittel

Schulen und Einkaufsmöglichkeiten entstanden ebenfalls in fußläufiger Entfernung, damit auch diese Ortsveränderungen in der gleichen Größenordnung an Zeit – rund ½ Stunde bis Stunde – durchgeführt werden konnten. Mit der Industrialisierung startete auch das Eisenbahnzeitalter, damit konnten, wenn auch noch für sehr wenige leistbar, größere Entfernungen zurückgelegt werden. Auf Grund des Streckennetzes oder auch der Preise war die Eisenbahn aber noch kein „Massenverkehrsmittel“. Ebenfalls in den Kinderschuhen steckte der öffentliche Verkehr, außer den ersten Eisenbahnlinien gab es eventuell noch die Pferdestraßenbahn. Öffentlicher Personennahverkehr, ÖPNV, spielte noch keine Rolle. Mobilität konnte von den meisten Menschen also nur zu Fuß erlangt werden.

Mobilität durch das Auto

Heißt das, dass unsere Vorfahren waren weniger mobil waren als wir heute? Wenn die Zahl der Ortsveränderungen als Maßstab angelegt wird, nein. Wenn die Entfernung, die je Ortsveränderung zurückgelegt wird, gemessen wird, sind wir heute wesentlich mobiler. Auch heute noch verbringen wir rund ½ – 1 Stunde pro Tag damit, den Arbeitsplatz zu erreichen. Auch heute noch fahren wir, meist mit dem Auto, zum Einkaufen in ein Einkaufszentrum. Welche Zeit sind wir bereit, für diese Fahrt aufzuwenden? Richtig: ½ – 1 Stunde. Die gegebene Infrastruktur zwingt uns also zur Mobilität.

Daraus ergibt sich die nächste Frage: Was hat es zuerst gegeben? Die Shopping City Süd oder das Auto? Was hat es zuerst gegeben: Die Arbeitsplätze am Stadtrand oder das Auto?

Die Antworten sind einfach und klar. Mit dem Auto waren wir in der Lage, in der Zeit von ½ – 1 Stunde Entfernungen von 20 – 100 km zurückzulegen. Und unsere Arbeitgeber und Lieferanten haben darauf reagiert und sind dorthin gezogen, wo die Baugründe billiger waren und wir sind ihnen gefolgt.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Sind Sie auch rund ½ – 1 Stunde damit beschäftigt, eine Ortsveränderung durchzuführen? Was denken Sie grundsätzlich über das Thema Mobilität in der heutigen Zeit?

Schreiben Sie mir gerne an gerhard@pramhas.eu oder benutzen Sie das Kontaktformular.

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