Teil 3: Der ideale Geschäftsführer – Jung und voller Tatendrang, oder älter und damit schon ruhiger?

  • von Gerhard Pramhas
  • am 20. Juli 2018

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Der letzte Teil meiner Trilogie widmet sich dem für mich interessantesten Aspekt: dem Alter des Geschäftsführers. Spätestens hier teilen sich die Meinungen komplett. Muss ein Geschäftsführer jünger als 50, je nach Branche sogar jünger als 40 sein, um in einem technologischen KMU erfolgreich zu sein, oder darf er auch ruhig älter als 50, ja vielleicht sogar auch über 60 sein?
Vorab: Ich teile meine Argumentation in diesem Beitrag – der Einfachheit halber – zwischen über 50- und unter 50-Jährigen. Meine Einschätzung bezieht sich auf den Eintrittszeitpunkt in die Funktion als Geschäftsführer.

Für und wider – entscheidende Argumente auf beiden Seiten

Folgende Situation: Ein mittelständisches, technisch orientiertes Unternehmen im Familienbesitz, sucht einen neuen Geschäftsführer. Die Gründer-Familie möchte sich aus der operativen Führung in die Aufsichtsposition zurückziehen. Das Unternehmen engagiert also einen Personalberater und gibt die inoffizielle Vorgabe, alle Bewerber über 50 Jahren automatisch abzulehnen. Die Begründung scheint logisch: In diesem Alter ist die Leistungsfähigkeit bereits deutlich geringer und Reisestrapazen werden nicht mehr so gerne in Kauf genommen. Außerdem würden Kandidaten in diesem Alter schon mehr an die Pension, als an ihre Aufgaben denken.
Der Personalberater stellt der Familie also in nächster Folge eine Reihe von jungen Kandidaten vor, die trotz der Erfüllung der Altersvorgabe aus folgenden Gründen abgelehnt werden:

  • noch keine oder unzureichende Führungserfahrung
  • hohe Wahrscheinlichkeit, dass die „junge“ Führungskraft das Unternehmen nach 2-3 Jahren wieder verlässt und die Position als Referenz für ähnliche Positionen in größeren Unternehmen verwendet
  • instabile familiäre Verhältnisse (frisch geschieden, kleine Kinder, …)
  • mangelnde Erfahrung im Umgang mit internationalen Kunden

Einige frustrierende Bewerbungsgespräche später, entscheidet der Personalberater, der Familie auch die Bewerber zuzuschicken, die laut inoffizieller Vorgabe eigentlich nicht in Frage kämen. Trotz höherem Alter finden sich hier Personen, die

  • durch ihre Studienzeit noch lange nicht an ihre Pension denken können bzw. auch nicht wollen
  • in den letzten Jahren selbstständige Tätigkeiten aufgenommen haben, weil sie ihre unternehmerische Seite weiterentwickeln wollten. Nun, nach Jahren der erfolgreichen Selbstständigkeit, aber wieder zurück in die Unselbstständigkeit wollen.
  • mit 50+ deutlich mehr Power haben als ein 40-jähriger.
  • ihr über die Jahre erworbenes Wissen an die nächste Generation weitergeben wollen.
  • dem Arbeitgeber gegenüber eine wesentlich höhere Bindung erreichen, als Jüngere.
  • Spaß an der Innovation haben. Sie wollen „es noch einmal wissen“.

Am Ende entscheidet der Mensch

Auf welcher Seite stehe ich? Auf keiner. Meiner Einschätzung nach sollte man bezüglich des Alters grundsätzlich keine Grenze ziehen. Ein junger, dynamischer 40-Jähriger, der nach drei Jahren beschließt, Ihr Unternehmen für ein größeres zu verlassen, kann ebenso schädlich sein, wie ein 55-Jähriger, der nicht mehr reisebereit ist und Kunden in Übersee nicht besuchen möchte. Letztendlich sollte aus meiner Sicht immer das Individuum entscheidend sein.

Zum Abschluss meiner Trilogie möchte ich noch eins betonen: Die Frage nach dem Geschlecht des idealen Geschäftsführers steht aus meiner Sicht nicht zur Debatte. Für mich ist es selbstverständlich, dass es sowohl Damen als auch Herren gibt, die den Anforderungen einer Geschäftsführung eines KMUs entsprechen und diese Aufgabe mit Bravour meistern.

Ich hoffe, mit meiner Einschätzung des idealen Geschäftsführers konnte ich auch Sie etwas zum Nachdenken anregen. Gerne stehe ich für weitere Diskussionen unter gerhard@pramhas.eu oder unter +43 676 9560164 zur Verfügung. Sie können zu diesem Zweck auch mein Kontaktformular nutzen.

PS.: Hier finden Sie Teil 1 und Teil 2 meiner Serie zum idealen Geschäftsführer.

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